Was war bei Google passiert?
Als ich Ende September meine Rankingdaten ansah, war das ein ziemlicher Schock. Sowohl diese Website hier als auch mein SEO/GEO-Projekt „olio-sardeli.de“ waren gehörig in den Keller gerutscht. Rankings, die über Monate stabil geblieben waren, schienen innerhalb weniger Tage mir nichts dir nicht verschwunden zu sein. Was war passiert? Hatte Google wieder an seinem Algorithmus gedreht? Oder gab es ein technisches Problem auf meinen Websites?
Ich betreue seit vielen Jahren Websites und kenne solche Schwankungen. Trotzdem schaut man bei einem derart abrupten Einbruch erst einmal genauer hin. Vor allem, wenn gleich mehrere Projekte betroffen sind.
Inzwischen spricht einiges dafür, dass zumindest ein Teil der auffälligen Rankingverluste Ende September und Anfang Oktober 2026 gar keine echten Verluste waren. Vielmehr könnten Veränderungen bei der automatisierten Abfrage von Google-Suchergebnissen die Messungen verschiedener SEO-Tools verfälscht haben.
Das ist ein erheblicher Unterschied. Denn wer auf fehlerhafte Rankingdaten mit hektischen Optimierungen reagiert, riskiert, eine funktionierende Website unnötig zu verändern.
Das Wichtigste in Kürze
Ein plötzlicher Rankingabsturz im SEO-Tool bedeutet nicht zwangsläufig, dass eine Website tatsächlich an Sichtbarkeit verloren hat. Automatisierte Google-Abfragen können fehlerhafte oder abweichende Ergebnisse liefern. Deshalb sollten auffällige Rankingverluste immer mit Daten aus der Google Search Console und weiteren Quellen abgeglichen werden.
Plötzlich brechen die Rankings ein
Der Blick auf das SEO-Dashboard gehört für mich zur Routine. Ich überprüfe die Entwicklung wichtiger Keywords, beobachte Veränderungen bei Wettbewerbern und schaue mir an, welche Seiten an Sichtbarkeit gewinnen oder verlieren. Ende September bot sich allerdings ein ungewöhnliches Bild. Die Rankingkurven fielen teilweise abrupt ab. Statt der üblichen kleineren Schwankungen zeigte sich ein regelrechter Absturz. An manchen Tagen folgten darauf ebenso überraschende Erholungen. Besonders auffällig war das zeitliche Muster: Die Veränderungen traten nicht vereinzelt auf, sondern konzentrierten sich auf einen relativ kurzen Zeitraum. Auch bei meinen eigenen Projekten musste ich deshalb genauer hinschauen. Natürlich können Rankings jederzeit fallen. Google verändert seine Suchergebnisse laufend, Wettbewerber verbessern ihre Inhalte, und manchmal sind technische Fehler auf der eigenen Website die Ursache.
Doch wenn zahlreiche Keywords gleichzeitig abstürzen und kurz darauf wieder auftauchen, stellt sich eine andere Frage: Hat sich tatsächlich die Sichtbarkeit verändert – oder nur ihre Messung?
1.Ranking-Einbruch bei 0lio-sardelia.de

2.Ranking-Einbruch bei zurwebsite.de

Google, Scraper und manipulierte Suchergebnisse
Google hat seit Jahren ein Problem mit automatisierten Zugriffen auf seine Suchergebnisse. SEO-Tools, Preisvergleichsdienste, Datenanbieter und inzwischen auch zahlreiche KI-Anwendungen fragen Suchergebnisse in großem Umfang ab.
Nicht jeder dieser Zugriffe ist erwünscht. Google versucht deshalb, automatisierte Abfragen zu erkennen und einzuschränken.
Dabei geht es längst nicht mehr ausschließlich um klassische Captchas oder blockierte IP-Adressen.
Diskutiert wird auch über sogenannte Poisoned SERPs, also manipulierte Suchergebnisse, die automatisierten Systemen andere Treffer liefern als gewöhnlichen Nutzern.
Das Prinzip ist einfach: Ein automatisierter Abruf erhält eine Trefferliste, die äußerlich wie eine normale Google-Suche aussieht, aber andere Ergebnisse enthält.
In solchen Trefferlisten können beispielsweise große Plattformen wie Reddit, LinkedIn, Facebook oder Quora ungewöhnlich häufig auftauchen, während spezialisierte Websites fehlen.
Ob Google solche manipulierten Trefferlisten Ende September 2026 gezielt und flächendeckend eingesetzt hat, ist allerdings nicht abschließend belegt. Auffällige Suchergebnisse allein beweisen noch keine absichtliche Manipulation.
Fest steht: Sobald automatisierte Abfragen andere Ergebnisse erhalten als reguläre Nutzer, wird die Messung von Rankings problematisch.
Warum auch SEO-Tools betroffen sein können
Rank-Tracker müssen regelmäßig große Mengen an Google-Suchergebnissen erfassen. Schließlich sollen sie feststellen, auf welcher Position eine Website für ein bestimmtes Keyword erscheint.
Dafür nutzen die Anbieter unterschiedliche technische Verfahren und Datenquellen.
Das Problem: Automatisierte Abfragen von SEO-Tools können ähnlichen Erkennungssystemen unterliegen wie andere Bots.
Wenn Google einen solchen Zugriff blockiert, einschränkt oder mit abweichenden Ergebnissen beantwortet, kann das die Datengrundlage des Tools beeinflussen.
Ein vereinfachtes Beispiel
Eine Website steht bei Google für ein wichtiges Keyword normalerweise auf Position 3. Der Rank-Tracker erhält bei seiner nächsten Abfrage jedoch eine abweichende Trefferliste, in der diese Website nicht unter den ersten 100 Ergebnissen erscheint.
Das Tool könnte daraus einen massiven Rankingverlust ableiten, obwohl reguläre Nutzer die Website weiterhin auf Position 3 finden.
Bei einer größeren Zahl betroffener Keywords kann dadurch auch der berechnete Sichtbarkeitsindex deutlich fallen.
Wichtig: Ein Sichtbarkeitsindex ist kein direkter Messwert von Google. Er ist eine Kennzahl, die der jeweilige Tool-Anbieter aus seinen erhobenen Rankingdaten berechnet. Sind diese Daten fehlerhaft, kann auch der Index ein falsches Bild vermitteln.
Rankingverlust oder Messfehler?
Genau diese Unterscheidung ist bei den auffälligen Entwicklungen seit Ende September wichtig.
Ein abrupter Absturz im Rankingtool bedeutet zunächst nur, dass das Tool schlechtere Positionen gemessen hat.
Er sagt noch nicht, warum.
Typische Anzeichen für ein Messproblem
- Zahlreiche Keywords verlieren nahezu gleichzeitig ihre Positionen.
- Die Sichtbarkeit fällt innerhalb weniger Tage ungewöhnlich stark.
- Einzelne Rankings springen kurz darauf wieder auf ihre alten Positionen.
- Bekannte Wettbewerber verschwinden ebenfalls aus den erfassten Suchergebnissen.
- Die Google Search Console zeigt keine vergleichbare Verschlechterung.
Keines dieser Merkmale ist für sich genommen ein Beweis. Treten mehrere gleichzeitig auf, lohnt sich allerdings eine Überprüfung der Datenquelle.
Hinzu kommt, dass Veränderungen durch Google-Updates und Probleme bei der Datenerhebung zeitlich zusammenfallen können. Dann wird die Ursachenanalyse noch schwieriger.
Wer jetzt vorschnell von einer Abstrafung durch Google spricht, macht es sich zu einfach.
Was die Google Search Console verrät
Für mich ist die Google Search Console in solchen Situationen die erste Anlaufstelle.
Im Gegensatz zu externen Rank-Trackern greift sie auf Leistungsdaten aus der Google-Suche zurück. Sie zeigt unter anderem, wie häufig Seiten in Suchergebnissen erschienen sind, wie viele Klicks sie erhalten haben und welche durchschnittlichen Positionen gemessen wurden.
Das macht sie zu einer wichtigen unabhängigen Vergleichsquelle. Allerdings sollte man auch die Search Console nicht unkritisch betrachten. Die durchschnittliche Position ist eben ein Durchschnittswert. Sie kann sich durch unterschiedliche Suchanfragen, Geräte, Länder und Veränderungen bei den Impressionen verschieben. Außerdem sind die jüngsten Daten teilweise noch unvollständig.
Ich konzentrierte mich deshalb zunächst auf drei Fragen:
- Sind die Impressionen tatsächlich zurückgegangen? Wenn ein Rankingtool einen massiven Sichtbarkeitsverlust meldet, die Impressionen in der Search Console aber weitgehend stabil bleiben, passt das nicht zusammen.
- Was passiert mit den wichtigsten Suchanfragen?
- Statt nur die Gesamtentwicklung zu betrachten, überprüfe ich einzelne Keywords und die zugehörigen URLs. Besonders interessant sind Suchanfragen, die vorher zuverlässig gute Positionen erreicht haben.
- Gibt es einen entsprechenden Rückgang bei den Klicks?
Auch Klickzahlen können aus vielen Gründen schwanken. Bleiben sie jedoch zusammen mit den Impressionen stabil, während ein externes Tool einen drastischen Absturz meldet, spricht das gegen einen ebenso drastischen realen Sichtbarkeitsverlust.
Wichtig ist dabei immer der Vergleich identischer Zeiträume, Länder und Gerätetypen.
So gehe ich bei auffälligen Rankingverlusten vor
Meine Vorgehensweise ist relativ unspektakulär. Und genau das ist in solchen Situationen hilfreich.
Schritt 1: Den Zeitpunkt eingrenzen
Zunächst prüfe ich, wann der Einbruch begonnen hat. War es ein einzelner Tag? Eine schleichende Entwicklung? Oder ein plötzlicher Sprung?
Schritt 2: Die Search Console vergleichen
Ich schaue mir Klicks, Impressionen und Positionen für denselben Zeitraum an. Anschließend überprüfe ich die wichtigsten betroffenen URLs und Suchanfragen.
Schritt 3: Einzelne Rankings kontrollieren
Bei besonders wichtigen Keywords vergleiche ich weitere Datenquellen. Eine manuelle Google-Suche kann zusätzliche Hinweise liefern, ist wegen Personalisierung, Standort und unterschiedlicher Suchoberflächen aber kein verlässlicher Ersatz für systematisches Monitoring.
Schritt 4: Technische Ursachen ausschließen
Auch wenn vieles für einen Messfehler spricht, prüfe ich die naheliegenden technischen Ursachen: Indexierbarkeit, Canonicals, robots.txt, Weiterleitungen, Serverprobleme und versehentliche Noindex-Anweisungen.
Schritt 5: Nicht sofort Inhalte verändern
Wenn keine belastbaren Hinweise auf echte Rankingverluste vorliegen, lasse ich die betreffenden Seiten zunächst unverändert.
Gerade dieser letzte Punkt ist wichtig.
Wer bei jeder ungewöhnlichen Bewegung seine Überschriften, Texte und interne Verlinkung verändert, schafft zusätzliche Variablen. Am Ende lässt sich kaum noch nachvollziehen, wodurch eine spätere Verbesserung oder Verschlechterung entstanden ist.
Was bedeutet das für die SEO-Erfolgskontrolle?
Der Vorfall macht ein grundsätzliches Problem deutlich: Wir verlassen uns im SEO-Alltag häufig auf Kennzahlen, deren technische Entstehung wir nur begrenzt kontrollieren können. Ein Sichtbarkeitsindex ist hilfreich, um Entwicklungen zu beobachten. Er ersetzt aber weder die Search Console noch die Analyse tatsächlicher Besuche und Nutzerinteraktionen.
Das gilt übrigens nicht nur für die Ereignisse im September 2026.
Auch unter normalen Bedingungen unterscheiden sich Rankingdaten verschiedener Anbieter. Sie verwenden unterschiedliche Keyword-Sets, Erhebungsverfahren, Standorte und Berechnungsmodelle. Deshalb betrachte ich Rankings nie völlig isoliert. Mich interessiert letztlich, ob eine Website für relevante Suchanfragen gefunden wird, ob Nutzer sie besuchen und ob die Inhalte ihre Aufgabe erfüllen. Ein fallender Index kann ein ernstes Warnsignal sein. Er ist aber noch keine Diagnose.
Der Blick auf meine Rankingkurven Ende September war zunächst ein Schreckmoment. Inzwischen sehe ich die auffälligen Bewegungen wesentlich differenzierter. Es gibt nachvollziehbare technische Gründe, warum automatisiert erhobene Rankingdaten von den tatsächlichen Suchergebnissen abweichen können. Ob die beobachteten Einbrüche im Einzelfall auf solche Messprobleme, reale Rankingveränderungen oder eine Mischung aus beidem zurückgehen, muss anhand der Daten geprüft werden.