TL;DR
Das Wichtigste in Kürze
Broken Links sind defekte Links, die auf nicht erreichbare Seiten oder Dateien führen.
Sie verschlechtern Nutzerführung, unterbrechen interne Linkstrukturen und erschweren Suchmaschinen die saubere Verarbeitung von Inhalten. Besonders interne 4xx-Fehler können Crawling-Pfade und die Verteilung interner Linkkraft beeinträchtigen.
Deshalb solltest du deine Website regelmäßig auf defekte Links prüfen und je nach Situation gezielt entscheiden, ob eine Weiterleitung, ein 404-Status oder ein 410-Status sinnvoll ist.
- 301- und 308-Weiterleitungen sind dauerhaft; 302 und 307 sind für temporäre Weiterleitungen gedacht
- 404 und 410 sind für dauerhaft nicht mehr vorhandene Inhalte ohne passende Alternative zulässig; Google behandelt beide Codes derzeit gleich
- Interne Broken Links sind aus SEO-Sicht kritischer als externe defekte Links
- Redirect-Ketten sollten möglichst direkt auf die finale URL führen; lange Ketten erhöhen Crawl-Aufwand und Fehlerpotenzial
- Für KI-Sichtbarkeit gilt dieselbe Grundregel: Nur technisch erreichbare und abrufbare Inhalte können zuverlässig verarbeitet und als Quelle berücksichtigt werden
Autor: Wolf-Reinhart Kotzsch
SEO-Experte mit langjähriger Erfahrung aus Agenturen und eigenen Projekten. Schwerpunkt heute: KI-Suche, AEO und Sichtbarkeit in generativen Suchsystemen.
1. Broken Links identifizieren
Für die Identifikation defekter Links stehen dir verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung.
Bei kleineren Websites kann ein WordPress-Plugin wie „Broken Link Checker“ hilfreich sein. Das Plugin bietet inzwischen zwei Prüfvarianten: Die Cloud-Engine führt den Scan auf den Servern des Anbieters aus und wird vom Hersteller als rund 20-mal schneller als die lokale Variante beschrieben. Die lokale Engine arbeitet dagegen auf dem eigenen WordPress-Server. Bei größeren Websites ist die Cloud-Variante deshalb meist ressourcenschonender; wer keine externe Verbindung möchte, kann die lokale Engine verwenden.
Neben klassischen URLs lassen sich auch defekte Bild- und Ressourcenverweise sowie Redirect-Probleme erkennen. Gefundene Links können im Dashboard geprüft, bearbeitet oder entfernt werden. Die pauschale Aussage, jeder Broken-Link-Checker müsse zwangsläufig den eigenen Server stark belasten, ist deshalb für die aktuelle Plugin-Version zu undifferenziert.
Für fortgeschrittene SEO-Analysen sind externe Crawler und die Google Search Console wichtige Ergänzungen. Im Bericht „Seiten“ beziehungsweise zur Seitenindexierung erkennst du unter anderem 404- und Soft-404-Fälle. Für die echte Googlebot-Perspektive ist zusätzlich die Crawling-Statistik relevant.
Google Search Console: echte Googlebot-Antworten prüfen
In der Google Search Console findest du den Bericht unter Einstellungen → Crawling-Statistik. Er zeigt, welche Serverantworten Google beim Crawlen tatsächlich erhalten hat. Unter „Crawling-Anfragen: nach Antwort“ lassen sich unter anderem dauerhaft verschobene URLs (301/308), temporär verschobene URLs (302/307) und nicht gefundene URLs (404) untersuchen.
Jeder serverseitige Redirect innerhalb einer Kette zählt dabei als eigener Crawl-Request. Das macht die Crawling-Statistik besonders nützlich, um Weiterleitungsketten, wiederholt gecrawlte 404-URLs oder ungewöhnliche Antwortmuster zu erkennen. Der Bericht ist für Properties auf Stammebene verfügbar und richtet sich vor allem an fortgeschrittene Nutzer sowie größere Websites.
Screaming Frog SEO Spider
Noch detaillierter arbeitet der Screaming Frog SEO Spider. Das Tool crawlt deine Website wie eine Suchmaschine und zeigt dir unter „Response Codes“ alle 4xx-Fehler an. Über die Inlinks-Funktion kannst du exakt nachvollziehen, von welchen Seiten ein defekter Link stammt – ein entscheidender Vorteil bei größeren Projekten. Zusätzlich erkennst du, ob es sich um interne oder externe Broken Links handelt und welche URLs besonders häufig betroffen sind.
Für die interne Linkanalyse bietet Screaming Frog weitere nützliche Ebenen:
- Link Position: Das Tool ordnet Links Bereichen wie Content, Navigation, Header, Sidebar oder Footer zu. Das hilft, kontextuelle Inhaltslinks von siteweiten Navigationslinks zu unterscheiden. Eine feste Google-Gewichtung nach Position lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.
- Link Score: Die Kennzahl von 0 bis 100 modelliert die relative Bedeutung einer URL auf Basis der internen Verlinkung und funktioniert ähnlich wie eine interne PageRank-Berechnung. Sie wird im Rahmen der Crawl Analysis berechnet.
- Orphan Pages: Verwaiste Seiten lassen sich zuverlässig finden, wenn der Crawl mit zusätzlichen URL-Quellen wie XML-Sitemap, Google Analytics oder Search Console kombiniert wird. Eine Seite ohne im normalen Crawl gefundenen internen Pfad kann dadurch trotzdem sichtbar werden.
- HTTP und Mixed Content: Unter „Security“ lassen sich unsichere HTTP-URLs sowie Mixed-Content-Ressourcen auf HTTPS-Seiten identifizieren. Mixed Content meint dabei insbesondere unsicher geladene Ressourcen wie Bilder, JavaScript oder CSS – nicht pauschal jeden normalen externen HTTP-Hyperlink.
Entwickler-Alternative: eigener Python-Crawler
Für technisch versierte Nutzer kann ein kleiner eigener Crawler sinnvoll sein, wenn nur bestimmte Prüfungen automatisiert werden sollen. Mit urllib.request für HTTP-Anfragen, html.parser für die Linkextraktion und collections.deque als Crawl-Queue lässt sich ein schlanker interner Linkchecker ohne kommerzielles Tool aufbauen.
Wichtig ist ein transparenter, eigener User-Agent und eine begrenzte Abrufrate. Ein HTTP-403 sollte nicht durch Tarnung des Crawlers umgangen werden. Auf eigenen oder ausdrücklich freigegebenen Systemen ist der saubere Weg, Firewall- oder Bot-Regeln zu prüfen und den eigenen Crawler gegebenenfalls auf eine Allowlist zu setzen.
Falls du Google GA4 oder Matomo im Einsatz hast, können Analytics-Daten gute Hinweise liefern. Wenn deine 404-Seite als eigene URL getrackt wird, kannst du sehen, über welche Einstiegsquellen Nutzer:innen auf nicht existierende Seiten gelangen. Das ist besonders wertvoll, um externe Backlinks auf 404-Seiten zu identifizieren und gezielt zu retten.
2. Welche Redirects und Statuscodes sind für Broken Links wichtig?
ℹ️ Redirects lösen nicht jedes Broken-Link-Problem. Entscheidend ist, ob ein Inhalt nur vorübergehend, dauerhaft oder überhaupt nicht mehr vorhanden ist. Für SEO und Crawling sollte die Serverantwort die tatsächliche Situation möglichst eindeutig abbilden.
| Status | Bedeutung | SEO-/Crawling-Einordnung |
|---|---|---|
| 301 | dauerhaft verschoben | Starkes Signal, dass die Ziel-URL kanonisch werden soll. |
| 302 | temporär verschoben | Google folgt der Weiterleitung, verwendet sie aber nicht als permanentes Kanonisierungssignal. |
| 307 | temporär, HTTP-Methode und Request-Body bleiben erhalten | Für temporäre technische Weiterleitungen, wenn die ursprüngliche Request-Methode erhalten bleiben muss. |
| 308 | dauerhaft, HTTP-Methode und Request-Body bleiben erhalten | Wie 301 ein permanentes Kanonisierungssignal; technisch methodentreu. |
| 404 | nicht gefunden | Richtig, wenn kein passender Ersatz existiert. |
| 410 | dauerhaft entfernt | Semantisch eindeutiger als 404; Google behandelt 410 derzeit jedoch wie 404. |
301/302 versus 307/308: Was ist der technische Unterschied?
301 und 302 sind die historisch älteren Redirect-Codes. Je nach Client können sie bei nicht-idempotenten Requests dazu führen, dass beispielsweise ein POST als GET weitergeführt wird. 307 und 308 wurden eingeführt, um die ursprüngliche HTTP-Methode und den Request-Body eindeutig beizubehalten: 307 temporär, 308 dauerhaft.
Für klassische Seitenaufrufe per GET ist dieser Unterschied häufig kaum sichtbar. Für APIs, Formulare und andere Requests mit Request-Body kann er technisch entscheidend sein.
Wie lang dürfen Redirect-Ketten sein?
ℹ️ Googlebot kann technisch bis zu 10 Redirect-Hops in einer Kette verfolgen. Das ist aber kein Zielwert. Google empfiehlt die direkte Weiterleitung auf die finale URL. Wenn eine Kette unvermeidbar ist, sollte sie kurz bleiben – idealerweise höchstens drei Redirects und in jedem Fall unter fünf.
Lange Ketten verursachen zusätzliche Requests und Latenz. Außerdem kann jeder weitere Hop eine neue Fehlerstelle erzeugen. Interne Links sollten deshalb immer direkt auf die finale Ziel-URL zeigen.
Wie lange sollte eine permanente Weiterleitung bestehen bleiben?
ℹ️ Bei URL- oder Website-Migrationen empfiehlt Google, permanente Redirects möglichst lange und generell mindestens ein Jahr bestehen zu lassen. So bleibt genügend Zeit, damit Crawling, Indexierung und die Zuordnung externer Links zur neuen URL verarbeitet werden können. Aus Nutzersicht kann es sinnvoll sein, wichtige permanente Redirects dauerhaft beizubehalten.
Weitere Informationen über Redirects ( Weiterleitungen) mit WordPress
3. Broken Links strategisch beheben
Sobald du defekte Links identifiziert hast, solltest du sie nicht reflexartig beheben, sondern strategisch entscheiden, welche Maßnahme sinnvoll ist.
- Wenn sich lediglich die URL einer Seite geändert hat, aktualisiere den Link direkt auf die neue Ziel-URL. Interne Links sollten möglichst immer direkt auf die finale URL zeigen. So vermeidest du zusätzliche Crawl-Requests, Latenz und unnötige Fehlerstellen in Redirect-Ketten.
- Existiert die Zielseite nicht mehr, aber es gibt eine thematisch passende Alternative, empfiehlt sich eine permanente 301- oder 308-Weiterleitung. Damit gibst du Google ein starkes Kanonisierungssignal und leitest Nutzer:innen auf relevanten Ersatz-Content weiter. Besonders sinnvoll ist das bei URLs mit bestehenden Backlinks, historischem Traffic oder Rankings. Plugins wie „Redirection“ helfen dir dabei, Weiterleitungen strukturiert zu verwalten.
Wichtig ist jedoch: Du brauchst keine 301-Weiterleitung, wenn der Inhalt dauerhaft obsolet ist und keine sinnvolle thematische Alternative existiert. In diesem Fall ist ein sauberer 404- oder 410-Statuscode häufig die bessere Lösung.
410 Gone – eindeutige Semantik, aber kein Indexierungs-Turbo
Der HTTP-Statuscode 410 („Gone“) signalisiert technisch eindeutig, dass eine Ressource dauerhaft entfernt wurde und nicht wiederkehrt. Ein 404 („Not Found“) sagt dagegen zunächst nur, dass die Ressource unter dieser URL nicht gefunden wurde.
Für Google ergibt sich daraus aktuell jedoch kein besonderer SEO-Vorteil: Google behandelt 410 und 404 bei dauerhaft entfernten Seiten gleich. Beide Statuscodes sind korrekt, wenn kein sinnvoller Ersatz existiert. Bekannte 4xx-URLs können zunächst weiterhin gecrawlt werden; mit der Zeit nimmt die Crawl-Häufigkeit typischerweise ab.
Gut zu wissen: Nutze 410, wenn du die dauerhafte Entfernung auch technisch und in deinen Logs besonders eindeutig kennzeichnen möchtest. Wenn eine passende Ersatzseite existiert oder wertvolle Backlinks auf die alte URL zeigen, ist eine permanente 301- oder 308-Weiterleitung häufig die bessere Lösung.
Interne Links nicht unterschätzen
Interne Broken Links sind aus SEO-Sicht besonders kritisch, weil sie deine interne Linkarchitektur schwächen und Crawling-Pfade unterbrechen. Häufig entstehen sie nach Relaunches, Permalink-Änderungen oder Content-Bereinigungen mit URL-Änderungen.
Gut zu wissen: Nach strukturellen Änderungen solltest du daher immer einen vollständigen Crawl durchführen und interne 4xx-Fehler systematisch bereinigen. Bei größeren Projekten lohnt sich zusätzlich ein Blick in die Server-Logs, um wiederkehrende Fehlerquellen zu identifizieren.
Ein sorgfältiges Broken-Link-Management umfasst regelmäßige Crawls, Priorisierung wichtiger URLs und eine bewusste Entscheidung zwischen permanentem Redirect, temporärem Redirect sowie 404 oder 410.
4. Wie beeinflussen Broken Links KI-Suche und GEO?
Für generative Suche gilt dieselbe technische Grundbedingung wie für klassische Suchsysteme: Inhalte müssen erreichbar, abrufbar und maschinell verarbeitbar sein. Die konkreten Crawler unterscheiden sich jedoch.
Google AI Overviews und AI Mode greifen auf Googles bestehende Such- und Indexierungsinfrastruktur zurück. Für die Aufnahme in diese Google-Funktionen gelten deshalb im Kern dieselben technischen Voraussetzungen wie für die klassische Google-Suche.
ChatGPT und Perplexity verwenden dagegen eigene Such-Crawler beziehungsweise Abrufsysteme. Bei OpenAI ist für die Auffindbarkeit in ChatGPT Search insbesondere OAI-SearchBot relevant; GPTBot hat einen anderen Zweck und sollte nicht mit dem Suchcrawler gleichgesetzt werden. Auch Perplexity nutzt eigene Bot-Infrastruktur.
Redirects als Sackgasse für KI-Antworten
Ein einzelner sauberer Redirect ist normalerweise kein Problem. Kritisch werden jedoch Redirect-Schleifen, sehr lange Ketten, 4xx-/5xx-Ziele oder Bot-Schutzsysteme, die den Abruf mit 403 oder 429 abbrechen. Dann kann ein Such- oder KI-Crawler die eigentliche Zielressource möglicherweise nicht erreichen oder nicht zuverlässig verarbeiten.
Für GEO bedeutet das praktisch:
- wichtige Inhalte mit Status 200 direkt erreichbar halten
- interne Links unmittelbar auf die finale URL setzen
- Redirect-Schleifen und unnötige Ketten vermeiden
- robots.txt, CDN, Firewall und Bot-Schutz getrennt prüfen
- bei wichtigen Seiten kontrollieren, ob Googlebot und relevante Such-Crawler tatsächlich Zugriff erhalten
5. Broken Linkbuilding und Wayback Machine
Broken Links können nicht nur auf der eigenen Website repariert werden. Sie lassen sich auch als Rechercheansatz für redaktionellen Linkaufbau nutzen. Beim Broken Linkbuilding suchst du auf thematisch relevanten fremden Websites nach externen Links, deren Ziel nicht mehr erreichbar ist.
Ein sinnvoller Ablauf:
- Toten Link identifizieren: Prüfe, ob eine relevante Seite auf eine dauerhaft nicht erreichbare externe Ressource verweist.
- Früheren Inhalt rekonstruieren: Über die Wayback Machine von Archive.org lässt sich häufig nachvollziehen, welches Thema und welche Nutzerabsicht die frühere Zielseite abgedeckt hat.
- Echten Ersatz schaffen: Erstelle einen aktuellen, eigenständigen und fachlich besseren Inhalt, der die ursprüngliche Informationslücke tatsächlich schließt.
- Webmaster informieren: Weise sachlich auf den defekten Link hin und nenne deinen Inhalt als mögliche Alternative. Die redaktionelle Entscheidung bleibt beim Betreiber der verlinkenden Website.
Die Wayback Machine dient dabei als Recherchehilfe, nicht als Vorlage zum Kopieren alter Inhalte. Broken Linkbuilding funktioniert langfristig nur dann sinnvoll, wenn der Ersatz-Content einen echten Mehrwert bietet und nicht Teil eines automatisierten Linktausch- oder Spam-Systems ist.