Klassische SEO bleibt unverzichtbar

Die Diskussion über SEO dreht sich ununterbrochen stark um AI Overviews, ChatGPT, Gemini, Perplexity, Retrieval und Citations. Das ist verständlich. Auch bei meinem Projekt Olio Sardelia beschäftige ich mich damit, wie eine Website in Large Language Models gefunden, verarbeitet und als Quelle verwendet wird.

Die Entwicklung der vergangenen Wochen zeigt mir aber gleichzeitig etwas anderes ziemlich deutlich:

Klassisches SEO ist keineswegs erledigt. Im Gegenteil: Ohne Suchnachfrage, passende Keywords und organische Einstiegsseiten bleibt selbst eine gute Sichtbarkeit in KI-Systemen wirtschaftlich zunächst erstaunlich abstrakt.

Kurz gesagt

Was ich aus den bisherigen Daten gelernt habe

  • Olio Sardelia erzielt zunehmend Impressionen und eine überraschend gute Sichtbarkeit in verschiedenen Suchmaschinen und LLMs.
  • Der tatsächliche Traffic bleibt mit meist weniger als zehn Google-Klicks pro Tag bislang niedrig.
  • Ein Grund dafür liegt nicht nur bei den Rankings, sondern beim teilweise sehr niedrigen Suchvolumen typischer B2B-Keywords.
  • Einige sardische Produktbegriffe wie Fregola Sarda, Culurgiones oder Pane Carasau besitzen dagegen deutlich mehr Nachfrage.
  • Deshalb erweitere ich die bisher stark auf B2B ausgerichtete Strategie um ausgewählte B2C-Suchintentionen.
  • Mein Fazit: SEO und GEO ersetzen sich nicht. Beide müssen zusammenspielen.

1. Gute Sichtbarkeit – aber noch wenig Traffic

Die Impressionen von Olio Sardelia in der Google-Suche entwickeln sich erfreulich. Auch meine anonymisierten Suchabfragen bei Bing, DuckDuckGo und Ecosia sowie Tests mit verschiedenen Large Language Models wie Gemini und ChatGPT zeigen inzwischen eine überraschend gute Sichtbarkeit.

Das klingt zunächst nach einem Erfolg.

Schaut man jedoch nicht auf die Sichtbarkeit, sondern auf die tatsächlichen Besuche, fällt das Bild deutlich nüchterner aus. Der organische Traffic über Google lag – abgesehen von einzelnen Spitzen – meist bei weniger als zehn Klicks pro Tag. Auch die in Matomo erfassten Besuche bestätigten diese Größenordnung.

⭐ Der interessante Widerspruch:

  • Google kennt zunehmend mehr Inhalte.
  • Die Zahl der Impressionen steigt.
  • Bing und andere Suchmaschinen finden das Projekt.
  • LLMs verwenden Inhalte bei bestimmten Recherchefragen.
  • Die Zahl der tatsächlichen Websitebesucher bleibt trotzdem niedrig.

Sichtbarkeit ist also nicht automatisch Nachfrage – und Nachfrage ist nicht automatisch Traffic.

Sardisches Olivenöl B2B kaufen: Screenshot aus Google und Gemini
Screenshots von Google AI und Gemini (anonym) vom 23.8.2026

2. Das Problem lag nicht nur beim Ranking

Beim Start des Projekts war mir bewusst, dass der Wettbewerb rund um sardische Produkte vergleichsweise überschaubar ist.

Gerade beim wichtigsten Produktcluster hatte ich trotzdem mit deutlich mehr Nachfrage gerechnet: Olivenöl aus Sardinien

Die erneute Auswertung mit dem Google Keyword Planner zeigte allerdings ein Problem, das sich durch bessere Rankings allein nicht lösen lässt.

Für mehrere sehr spezifische Kombinationen rund um sardisches Olivenöl wird praktisch kein relevantes Suchvolumen ausgewiesen. Andere sardische Produkte und Begriffe besitzen dagegen ein erheblich größeres Nachfragepotenzial.

3. Was die Keyword-Daten zeigten

Die folgende Auswahl stammt aus meiner Keyword-Planner-Auswertung vom 22. August 2026. Entscheidend ist weniger der einzelne Zahlenwert als das Verhältnis der Begriffe zueinander.

Keyword Ø monatliche Suchanfragen Wettbewerb
Fregola Sarda 50.000 Niedrig
Culurgiones 5.000 Niedrig
Malloreddus 5.000 Niedrig
Pane Carasau 5.000 Hoch
Sardische Spezialitäten 5.000 Hoch
Delikatessen 5.000 Mittel
Olivenöl aus Sardinien 100–1.000 Hoch
Cannonau di Sardegna 500 Hoch
Mirto Likör 500 Hoch
Pani Frattau 500 Niedrig
Pecorino Sardo 500 Hoch
Sardischer Rotwein 500 Hoch
Vermentino di Sardegna 500 Hoch
Sardisches Olivenöl 10–100 Hoch
Sardisches Olivenöl kaufen 10–100 Hoch
Bio Olivenöl Sardinien 10–100 Hoch
Sardinien Olivenöl B2B kaufen
Bottarga di Sardegna 50 Mittel

⭐ Am Beispiel Olivenöl wird das Gefälle gut sichtbar:

Für „Olivenöl aus Sardinien“ weist der Keyword Planner noch 100–1.000 Suchanfragen pro Monat aus. Bei „sardisches Olivenöl“, „sardisches Olivenöl kaufen“ und „Bio Olivenöl Sardinien“ sinkt die Nachfrage bereits auf 10–100. Für die sehr konkrete B2B-Anfrage „Sardinien Olivenöl B2B kaufen“ wird schließlich kein Suchvolumen mehr ausgewiesen. Genau dieses Gefälle erklärt, warum eine fachlich sehr passende B2B-Seite trotz guter Sichtbarkeit nur begrenzten klassischen Suchtraffic erzeugen kann.

Diese Zahlen verändern die Perspektive auf das Projekt deutlich. Es reicht nicht, fachlich passende Seiten zu bauen. Ich muss gleichzeitig berücksichtigen, wie Menschen tatsächlich suchen.

💡Erkenntnis: Ein Keyword mit geringer Konkurrenz ist noch kein SEO-Geschenk. Wenn kaum jemand danach sucht, kann selbst Platz 1 nur wenig Traffic liefern.

4. Ein gutes Beispiel: Fregula oder Fregola Sarda?

Besonders deutlich wurde das bei einem eigentlich kleinen sprachlichen Detail.

Auf Sardinien wird die typische Pasta häufig als Fregula bezeichnet. Der Begriff ist fachlich korrekt und passt hervorragend zu einem redaktionellen Projekt über sardische Lebensmittel.

Nur hilft sprachliche Authentizität wenig, wenn die Mehrheit der deutschsprachigen Nutzer nach einem anderen Begriff sucht.

Der Google Keyword Planner weist für „Fregola Sarda“ rund 50.000 durchschnittliche monatliche Suchanfragen aus.

Die Konsequenz war ziemlich eindeutig. Ich habe die betreffenden Inhalte erneut überarbeitet und verwende nun verstärkt Formulierungen wie:

Fregola Sarda (Fregula)

Damit bleibt die sardische Bezeichnung erhalten, gleichzeitig orientiert sich die Seite stärker an der tatsächlichen Suchsprache.

5. Warum Keyword-Optimierung weiterhin wichtig ist

In Zeiten semantischer Suchsysteme klingt der Begriff „Keyword-Optimierung“ beinahe altmodisch. Das ändert nichts daran, dass Keywords weiterhin Informationen über reale Nachfrage liefern.

Suchmaschinen verstehen heute Synonyme, Entitäten, Zusammenhänge und Suchintentionen wesentlich besser als früher. Trotzdem macht es einen Unterschied, ob eine Seite Begriffe verwendet, nach denen Menschen tatsächlich suchen.

Für Olio Sardelia prüfe ich deshalb relevante Produktseiten inzwischen noch einmal anhand von vier Faktoren:

Prüfkriterium Frage
Relevanz Passt das Keyword wirklich zum Thema und zur Website?
Suchvolumen Gibt es überhaupt eine messbare Nachfrage?
Suchintention Welche Information erwartet der Nutzer tatsächlich?
Strategischer Wert Hilft das Thema beim Aufbau eines relevanten Themenclusters?

🚨Genau hier liegt für mich weiterhin eine der wichtigsten Aufgaben von SEO: die Sprache des Angebots mit der Sprache der Nachfrage zusammenzubringen.

6. Warum eine reine B2B-Ausrichtung die Reichweite begrenzt

Eine zweite Konsequenz betrifft die bisherige Zielgruppenstrategie.

Olio Sardelia war von Beginn an stark auf B2B-Nutzer ausgerichtet: Feinkosthandel, Gastronomie, Hotellerie, Weinhandel, Wiederverkäufer und andere gewerbliche Interessenten.

Diese Ausrichtung halte ich weiterhin für richtig. Allerdings führt eine sehr konsequente B2B-Strategie bei einem Nischenthema zu einem strukturellen Problem: Viele relevante B2B-Suchanfragen besitzen nur ein geringes oder gar nicht messbares Suchvolumen.

Typische Anfragen könnten beispielsweise lauten:

  • sardisches Olivenöl für die Gastronomie
  • Pane Carasau für den Wiederverkauf
  • sardische Spezialitäten für ein Feinkostsortiment
  • Lieferanten für Pecorino Sardo
  • sardische Weine für den Fachhandel

Solche Suchanfragen können wirtschaftlich interessant sein. Ihr Suchvolumen bleibt aber naturgemäß deutlich kleiner als das allgemeiner Produktanfragen.

🔑 Das Reichweitenproblem: Hohe geschäftliche Relevanz bedeutet nicht automatisch hohes Suchvolumen.

7. Gezielte Öffnung für B2C-Suchintentionen

Die SEO-Strategie von Olio Sardelia wird deshalb nicht komplett verändert, sondern erweitert.

Seiten zu Produkten und Themen mit erkennbarem Suchvolumen bekommen zusätzlich Inhalte, die auch für Endkunden, Feinkostliebhaber und allgemein an sardischer Küche interessierte Menschen relevant sind.

Dazu gehören beispielsweise:

Fregola Sarda
Culurgiones
Malloreddus
Pane Carasau
Pani Frattau
Mirto
Cannonau
Vermentino

Die eigentliche B2B-Ausrichtung bleibt erhalten. Einkaufsinformationen, Lieferlogik, Kalkulation, Qualität, Zertifizierungen, Verpackungseinheiten oder Einsatzmöglichkeiten in Gastronomie und Handel verschwinden nicht.

Dazu kommt jedoch eine zweite Inhaltsebene. Eine Produktseite kann jetzt sowohl eine konkrete Fachinformation liefern als auch als organische Eintrittstür in einen größeren Themencluster funktionieren.

Wie beide Suchintentionen auf einer Seite zusammenpassen können

Thema B2C-Intent B2B-Intent
Fregola Sarda Was ist Fregola? Zubereitung, Geschmack, Gerichte Bezugsquellen, Sortimentsplanung, Gastronomie
Pane Carasau Herkunft, Verwendung, Pani Frattau Verpackung, Einkauf, Gastronomieeinsatz
Cannonau Geschmack, Herkunft, Speisenbegleitung Weinhandel, Gastronomie, Produzenten
Mirto Was ist Mirto? Geschmack und Herstellung Sortiment, Ausschank, Einkauf

8. Warum B2C-Traffic nicht automatisch schlechter Traffic ist

Aus reiner Lead-Perspektive könnte man dagegen argumentieren: Was bringt mir ein Endkunde, wenn mein eigentliches Ziel B2B ist?

Die Frage ist berechtigt. Trotzdem halte ich es für falsch, B2C-Traffic pauschal als wertlos einzustufen.

Nicht jeder Nutzer lässt sich sauber in B2B und B2C einteilen. Ein Gastronom kann privat nach „Pani Frattau Rezept Sardinien“ suchen. Ein Feinkosthändler informiert sich vielleicht zunächst über Culurgiones, bevor er nach Bezugsquellen sucht. Ein Weinhändler recherchiert nach Cannonau di Sardegna, ohne seine gewerbliche Absicht in die Suchanfrage zu schreiben.

⭐ Suchintentionen halten sich nicht an CRM-Kategorien. Eine informational formulierte Anfrage kann durchaus von einem professionellen Entscheider stammen.

9. SEO und GEO sind keine Gegensätze

Für mich ist das die wichtigste Erkenntnis dieser Phase des Projekts.

Ich sehe klassisches SEO und GEO nicht als zwei konkurrierende Disziplinen. Die Entwicklung bei Olio Sardelia zeigt vielmehr, dass beide Ebenen unterschiedliche Aufgaben erfüllen.

Klassisches SEO GEO / AI Search
Suchnachfrage erkennen Thematische Relevanz aufbauen
Keywords und Suchsprache verstehen Entitäten und Zusammenhänge klar darstellen
Suchintention bedienen Antwortfähige Passagen liefern
Rankings und Klicks erzeugen Retrieval und Citations ermöglichen
CTR optimieren Fachliche Tiefe und eindeutige Aussagen schaffen

Der beste Fachartikel hilft wenig, wenn niemand nach seinem Thema sucht.

Umgekehrt kann eine Seite mit hohem Suchvolumen zwar viele Besucher bringen, für KI-Systeme aber weitgehend bedeutungslos bleiben, wenn sie austauschbar und oberflächlich ist.

10. Was sich beim Olio-Sardelia-Experiment verändert

Olio Sardelia war von Beginn an ein SEO- und GEO-Experiment.

In den ersten Monaten lag mein Fokus stark darauf, einen möglichst vollständigen fachlichen Themenraum rund um sardische Produkte aufzubauen: Produkte, B2B-Einkauf, Gastronomie, Import, Logistik, Qualität, Herkunft und Bezugsquellen.

Diese Strategie funktioniert bei der thematischen Sichtbarkeit besser, als ich zunächst erwartet hatte.

Jetzt kommt eine zweite Phase hinzu. Die Frage lautet nicht mehr nur:

Kann ich eine neue Domain so strukturieren, dass Suchmaschinen und Large Language Models ihren Themenraum verstehen?

Sondern zunehmend auch:

Kann ich aus dieser Sichtbarkeit echten organischen Traffic entwickeln?

Dafür muss ich wieder stärker auf eine der ältesten SEO-Fragen überhaupt schauen: Wonach suchen Menschen tatsächlich?

Fazit

Ohne Nachfrage bleibt Sichtbarkeit Theorie

Die Entwicklung von Olio Sardelia hat meine Einschätzung von klassischem SEO nicht geschwächt, sondern eher bestätigt.

AI Search verändert die Suche massiv. Retrieval, Citations, Fan-Out-Queries und Large Language Models schaffen neue Formen von Sichtbarkeit, die mit klassischen Rankings allein nicht mehr ausreichend beschrieben werden können.

Trotzdem bleibt die wirtschaftlich banale Wahrheit bestehen: Eine Website braucht Menschen, die nach ihren Themen suchen.

Deshalb gehören Keyword-Recherche, Suchvolumen, Suchintention und organische Klicks weiterhin ins Zentrum einer SEO-Strategie.

Für Olio Sardelia bedeutet das keine Abkehr von der bisherigen B2B-Strategie. Ich erweitere sie: weniger starre Trennung zwischen B2B und B2C, mehr Orientierung an tatsächlicher Nachfrage und gleichzeitig weiterhin Inhalte, die fachlich tief genug sind, um auch von Suchmaschinen und KI-Systemen als relevante Quelle verstanden zu werden.