TL;DR
KI-Text und menschlichen Text sicherer unterscheiden
Entscheidend für die Unterscheidung ist nicht ein einzelnes Signal, sondern das Zusammenspiel aus Struktur, Ausdruck, Redundanz, Wortwahl, Zeichensetzung, Länge und inhaltlicher Eigenständigkeit.Wichtiger für SEO und GEO sind klare Struktur, präzise Aussagen, nachvollziehbare Argumentation und echte Expertise.
Der EU AI Act reguliert KI-Systeme, nicht Schreibstile oder Satzzeichen.
Identifikation von KI-Text
Keine Ahnung, wie viele Inhalte heute bereits durch oder wenigstens mit Hinzunahme von KI-Assistenten im Internet oder überhaupt in den Medien entstanden sind. Müsste man mal prüfen. Wenn aber irgendwann nur noch von einem Schreibtool optimierte Me-too-Inhalte verbreitet werden, dann geraten natürlich Originalität, Kreativität und Authentizität schleichend immer weiter in den Hintergrund. Möglicherweise würde menschlicher Input in nächster Zukunft sogar überhaupt keine Bedeutung mehr haben.
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zwischen organischen und KI-generierten Texten zusammen.
Typische Merkmale zur Identifikation von KI-Text
Verständlich finde ich, dass es Wächter gibt, die sich dieser Entwicklung entgegenstellen und versuchen, KI-Inhalte zu entlarven und öffentlich anzuprangern. Aber wo ist da eine rote Linie zu ungerechtfertigten Unterstellungen? Wann geht es los mit Brandmarkung und Diskreditierung von Inhalten?
Auf einem Social Media-Portal wird verbreitet, dass bereits bestimmte Satzzeichen wie der lange Gedankenstrich (Halbgeviertstrich) und der Doppelpunkt bei häufiger Verwendung sowie das Fehlen von Gendern eindeutige Zeichen für einen KI-Text sein können. Ja richtig, das konnte ich recherchieren, so lautete sogar die entsprechende AI-Antwort in Google. Einfach mal selbst in der Suche eingeben.
Ich will nicht abstreiten, dass KI-Texte, die englische Satzzeichen als Basis einsetzen, eben nur Gedankenstriche verwenden und dass Doppelpunkte in GEO-optimierten SEO-Texten auch eine wichtige Rolle spielen. Aber beide verwendete ich schon in den 90er Jahren als Anzeigen- und Literatur-Texter tagein tagaus. Warum? Weil man damit Inhalte leichter lesbar und ausdrucksstark strukturieren kann. Und: Der Austausch von Gedankenstrichen durch Bindestriche macht Texte nicht menschlicher.
Allen, denen – abgesehen vom Gendern – die eine Verwendung des langen Gedankenstrichs und Doppelpunkts in Frage stellen, möchte ich Folgendes kurz entgegnen:
Der Gedankenstrich (–)
Ein Gedankenstrich ist im Deutschen in der Regel der Halbgeviertstrich (–), also länger als der normale Bindestrich (-). Dieser heißt fachsprachlich auch Divis oder Trennstrich. Er wird oft verwendet, um Pausen, Einschübe oder überraschende Wendungen zu markieren.
Würde ich jedoch wegen obiger Kritik in allen Texten, sinnvolle Gedankenstriche gegen Bindestriche austauschen, was hätte ich damit gewonnen?
Macht das Austauschen von Gedankenstrichen durch Bindestriche einen Text nicht „menschlicher“, ich glaube, eher im Gegenteil.
Viele Texte (und auch menschliche) nutzen ganz normal den Gedankenstrich (–). Wenn du ihn überall durch Bindestriche (-) ersetzt, wirkt der Text oft eher:
- technisch
- ungepflegt
- typografisch falsch
Beispiel:
Typografisch korrekt (mit Gedankenstrich)
„Ich wollte nur kurz nachsehen – und plötzlich war alles anders.“
Variante mit Bindestrich.
„Ich wollte nur kurz nachsehen - und plötzlich war alles anders.“
Für mich liest sich Letzteres eher wie:
- schnell runtergeschrieben
- auf keinen Fall redaktionell geprüft
Für viele Leser (und auch Suchsysteme) ist damit bestimmt auch kein Qualitätsgewinn verbunden
Der Doppelpunkt (:)
Der Doppelpunkt (:) ist ein Satzzeichen, das eine Ankündigung macht und gleichzeitig eine kurze Pause signalisiert. Der Doppelpunkt kündigt an, dass jetzt etwas Konkretes folgt. Er schafft eine klare Erwartung beim Leser: „Achtung – gleich kommt die Erklärung, eine Liste oder eine Konsequenz.“
Er wird in verschiedenen Situationen eingesetzt:
- Aufzählungen: Er kündigt eine Liste an (z. B. „Folgende Zutaten werden benötigt: Mehl, Zucker und Eier“).
- Direkte Rede: Er leitet die wörtliche Rede ein (z. B. „Sie sagte: ‚Komm bald wieder.‘“).
- Erklärung oder Folge: Er kündigt eine Erklärung, Zusammenfassung oder Konsequenz an – ohne die überraschende Wirkung eines Gedankenstrichs.
Beispiel:
„Wer sich vegan ernähren möchte, sollte auf drei Dinge achten: eine ausgewogene Nährstoffzufuhr, abwechslungsreiche Lebensmittel und eine ausreichende Vitamin-B12-Versorgung.“
Die gleiche Aussage, könnte evtl. auch mit einem Nebensatz erstellt werden:
Wer sich vegan ernähren möchte, sollte darauf achten, dass er sich ausgewogen und abwechslungsreich ernährt und genügend Vitamin B12 zu sich nimmt.“ Doch hier fehlt meiner Meinung nach der Fokus.
KI Text und der EU AI Act
Der EU AI Act richtet sich nicht gegen Texte oder Schreibstile, sondern gegen den Einsatz von KI-Systemen.
Er verfolgt einen klaren Ansatz:
- Reguliert werden KI-Anbieter und -Nutzer (Unternehmen, Plattformen etc.)
- Grundlage ist ein risikobasierter Ansatz (z. B. „hochriskante KI“)
Fokus liegt auf:
- Sicherheit
- Transparenz
- Schutz von Grundrechten
Ab 2026 greifen u. a.:
- Transparenzpflichten (z. B. Kennzeichnung von KI-Inhalten)
- Pflichten für Anbieter von generativer KI (z. B. Offenlegung, Risiken minimieren)
👉 Wichtig: Das Gesetz zielt auf Systeme und deren Wirkung, nicht auf Stilmittel wie Satzzeichen.
Fazit
Gedankenstrich, Doppelpunkt und SEO
Der Austausch von Gedankenstrich (–) zu Bindestrich (-) ist kein wirksamer „Anti-KI-Hack“. Er verändert lediglich die Optik eines Textes, nicht jedoch dessen Wahrnehmung als hochwertiger oder menschlicher Inhalt.
Der entscheidende Punkt liegt woanders: Systeme wie Google AI Overviews oder ChatGPT bewerten keine typografischen Feinheiten wie Strichlängen, sondern die inhaltliche Qualität und Struktur eines Textes.
Im Fokus stehen dabei vor allem:
- klare Struktur
- präzise Aussagen
- nachvollziehbare Argumentation
- echte Erfahrung und Expertise
Meine Spielwiese: Ich werde testweise über ein Script auf einigen Seiten die Gedankenstriche komplett entfernen und und sehen, ob Google (siehe aktuelles KI Spam-Update) nicht doch irgendwie darauf reagiert. Ich glaube es nicht, aber mal abwarten.