Was gehört zur Identifikation von KI-Text?


TL;DR

KI-Text und menschlichen Text sicherer unterscheiden

Entscheidend für die Unterscheidung ist nicht ein einzelnes Signal, sondern das Zusammenspiel aus Struktur, Ausdruck, Redundanz, Wortwahl, Zeichensetzung, Länge und inhaltlicher Eigenständigkeit.Wichtiger für SEO und GEO sind klare Struktur, präzise Aussagen, nachvollziehbare Argumentation und echte Expertise.
Der EU AI Act reguliert KI-Systeme, nicht Schreibstile oder Satzzeichen.

Identifikation von KI-Text

Keine Ahnung, wie viele Inhalte heute bereits durch oder wenigstens mit Hinzunahme von KI-Assistenten im Internet oder überhaupt in den Medien entstanden sind. Müsste man mal prüfen. Wenn aber irgendwann nur noch von einem Schreibtool optimierte Me-too-Inhalte verbreitet werden, dann geraten natürlich Originalität, Kreativität und Authentizität schleichend immer weiter in den Hintergrund.  Möglicherweise würde menschlicher Input in nächster Zukunft sogar überhaupt keine Bedeutung mehr haben.

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zwischen organischen und KI-generierten Texten zusammen.

Typische Merkmale zur Identifikation von KI-Text

Kriterium Typischer KI-Text Typischer menschlicher Text
Aufbau / Struktur Sehr klar, logisch, oft lehrbuchhaft aufgebaut Häufig organischer, teils sprunghaft oder mit individuellen Gedankengängen
Einleitung Allgemein, neutral, oft austauschbar Kontextbezogen, subjektiv, teils direkt oder provokativ
Argumentationslogik Stringent, vollständig, selten mit Lücken Nicht immer vollständig, gelegentlich widersprüchlich oder emotional geprägt
Sprachstil Glatt, korrekt, gleichmäßig Stärker variierend, persönlicher, manchmal kantiger
Tonalität Neutral, ausgewogen, bemüht objektiv Subjektiv, meinungsstark, teilweise emotionaler
Wortwahl Oft generisch und vorhersehbar Individueller, teils überraschend oder kreativ
Fachbegriffe Formal korrekt, aber oft eher breit als tief eingesetzt Situativ, manchmal sehr tief oder bewusst reduziert
Redundanzen Leichte Wiederholungen mit Umformulierungen Weniger systematisch, eher zufällig
Synonymeinsatz Oft auffällig abwechslungsreich, um Wiederholungen zu vermeiden Natürlicher, manchmal bewusst redundant
Satzbau Gleichmäßig, meist mittellange Sätze Stärker wechselnd, von sehr kurz bis sehr lang
Satzrhythmus Eher gleichförmig Dynamischer, mit bewussten Brüchen
Füllwörter / Floskeln Häufig formelhaft und standardisiert Meist direkter oder eigens formuliert
Konkretheit Oft eher allgemein Häufig konkreter und lebensnäher
Beispiele Generisch oder konstruiert Individuell, realistisch, teils unperfekt
Emotion / Haltung Kaum echte Emotion, eher simuliert Spürbare Perspektive, Haltung oder Emotion
Fehler / Ungenauigkeiten Wenige Tippfehler, selten echte Unsicherheit Kleine Fehler, Unsicherheiten oder Unebenheiten sind normal
Logische Brüche Selten vorhanden Kommen gelegentlich vor
Originalität Wirkt oft vertraut oder bereits ähnlich gelesen Kann eigenständig, überraschend oder unverwechselbar wirken
Informationsdichte Hoch, aber oft wenig priorisiert Selektiver mit bewussten Schwerpunkten
Länge Oft etwas länger als nötig Häufig prägnanter oder bewusst ausschweifender
Zeichensetzung Sehr korrekt, oft standardisiert Variabler, teils inkonsistenter, oft stilistisch individueller
Gedankenstriche / Bindestriche Oft korrekt und auffällig sauber eingesetzt Individueller Gebrauch, manchmal uneinheitlich
Listen / Aufzählungen Sehr häufig und sauber strukturiert Eher situativ, nicht immer systematisch
Übergänge Sauber und vorhersehbar formuliert Manchmal abrupt, manchmal kreativ oder pointiert
Wiedererkennung von Mustern Wiederkehrende Formulierungs- und Strukturmuster Stärkere persönliche Handschrift
Meta-Ebene Erklärt oft auch Offensichtliches mit Setzt teils Vorwissen voraus oder lässt Dinge offen
Zielgruppenansprache Breit, oft unscharf formuliert Häufig direkter und klarer adressiert
SEO-Optimierung Optimierung wirkt oft sichtbar mitgedacht Natürlicher integriert oder gar nicht bewusst optimiert

Verständlich finde ich, dass es Wächter gibt, die sich dieser Entwicklung entgegenstellen und versuchen, KI-Inhalte zu entlarven und öffentlich anzuprangern. Aber wo ist da eine rote Linie zu ungerechtfertigten Unterstellungen? Wann geht es los mit Brandmarkung und Diskreditierung von Inhalten?

Auf einem Social Media-Portal wird verbreitet, dass bereits bestimmte Satzzeichen wie der lange Gedankenstrich (Halbgeviertstrich) und der Doppelpunkt bei häufiger Verwendung sowie das Fehlen von Gendern eindeutige Zeichen für einen KI-Text sein können. Ja richtig, das konnte ich recherchieren, so lautete sogar die entsprechende AI-Antwort in Google. Einfach mal selbst in der Suche eingeben.

Ich will nicht abstreiten, dass KI-Texte, die englische Satzzeichen als Basis einsetzen, eben nur Gedankenstriche verwenden und dass Doppelpunkte in GEO-optimierten SEO-Texten auch eine wichtige Rolle spielen. Aber beide verwendete ich schon in den 90er Jahren als Anzeigen- und Literatur-Texter tagein tagaus. Warum? Weil man damit Inhalte leichter lesbar und ausdrucksstark strukturieren kann. Und: Der Austausch von Gedankenstrichen durch Bindestriche macht Texte nicht menschlicher.

Allen, denen – abgesehen vom Gendern – die eine Verwendung des langen Gedankenstrichs und Doppelpunkts in Frage stellen, möchte ich  Folgendes kurz entgegnen:

Der Gedankenstrich (–)

Ein Gedankenstrich ist im Deutschen in der Regel der Halbgeviertstrich (–), also länger als der normale Bindestrich (-). Dieser heißt fachsprachlich auch Divis oder Trennstrich. Er wird oft verwendet, um Pausen, Einschübe oder überraschende Wendungen zu markieren.
Würde ich jedoch wegen obiger Kritik in allen Texten, sinnvolle Gedankenstriche gegen Bindestriche austauschen, was hätte ich damit gewonnen?

Macht das Austauschen von Gedankenstrichen durch Bindestriche einen Text nicht „menschlicher“, ich glaube, eher im Gegenteil.

Viele Texte (und auch menschliche) nutzen ganz normal den Gedankenstrich (–). Wenn du ihn überall durch Bindestriche (-) ersetzt, wirkt der Text oft eher:

  • technisch
  • ungepflegt
  • typografisch falsch

Beispiel:

Typografisch korrekt (mit Gedankenstrich)
„Ich wollte nur kurz nachsehen – und plötzlich war alles anders.“

Variante mit Bindestrich.
„Ich wollte nur kurz nachsehen - und plötzlich war alles anders.“

Für mich liest sich Letzteres eher wie:

  • schnell runtergeschrieben
  • auf keinen Fall redaktionell geprüft

Für viele Leser (und auch Suchsysteme) ist damit bestimmt auch kein Qualitätsgewinn verbunden

Der Doppelpunkt (:)

Der Doppelpunkt (:)  ist ein Satzzeichen, das eine Ankündigung macht und gleichzeitig eine kurze Pause signalisiert. Der Doppelpunkt kündigt an, dass jetzt etwas Konkretes folgt. Er schafft eine klare Erwartung beim Leser: „Achtung – gleich kommt die Erklärung, eine Liste oder eine Konsequenz.“

Er wird in verschiedenen Situationen eingesetzt:

  • Aufzählungen: Er kündigt eine Liste an (z. B. „Folgende Zutaten werden benötigt: Mehl, Zucker und Eier“).
  • Direkte Rede: Er leitet die wörtliche Rede ein (z. B. „Sie sagte: ‚Komm bald wieder.‘“).
  • Erklärung oder Folge: Er kündigt eine Erklärung, Zusammenfassung oder Konsequenz an – ohne die überraschende Wirkung eines Gedankenstrichs.

Beispiel:

„Wer sich vegan ernähren möchte, sollte auf drei Dinge achten: eine ausgewogene Nährstoffzufuhr, abwechslungsreiche Lebensmittel und eine ausreichende Vitamin-B12-Versorgung.“

Die gleiche Aussage, könnte evtl. auch mit einem Nebensatz erstellt werden:

Wer sich vegan ernähren möchte, sollte darauf achten, dass er sich ausgewogen und abwechslungsreich ernährt und genügend Vitamin B12 zu sich nimmt.“ Doch hier fehlt meiner Meinung nach der Fokus.

KI Text und der EU AI Act

Der EU AI Act richtet sich nicht gegen Texte oder Schreibstile, sondern gegen den Einsatz von KI-Systemen.

Er verfolgt einen klaren Ansatz:

  • Reguliert werden KI-Anbieter und -Nutzer (Unternehmen, Plattformen etc.)
  • Grundlage ist ein risikobasierter Ansatz (z. B. „hochriskante KI“)

Fokus liegt auf:

  • Sicherheit
  • Transparenz
  • Schutz von Grundrechten

Ab 2026 greifen u. a.:

  • Transparenzpflichten (z. B. Kennzeichnung von KI-Inhalten)
  • Pflichten für Anbieter von generativer KI (z. B. Offenlegung, Risiken minimieren)

👉 Wichtig: Das Gesetz zielt auf Systeme und deren Wirkung, nicht auf Stilmittel wie Satzzeichen.


Fazit

Gedankenstrich, Doppelpunkt und SEO

Der Austausch von Gedankenstrich (–) zu Bindestrich (-) ist kein wirksamer „Anti-KI-Hack“. Er verändert lediglich die Optik eines Textes, nicht jedoch dessen Wahrnehmung als hochwertiger oder menschlicher Inhalt.

Der entscheidende Punkt liegt woanders: Systeme wie Google AI Overviews oder ChatGPT bewerten keine typografischen Feinheiten wie Strichlängen, sondern die inhaltliche Qualität und Struktur eines Textes.

Im Fokus stehen dabei vor allem:

  • klare Struktur
  • präzise Aussagen
  • nachvollziehbare Argumentation
  • echte Erfahrung und Expertise

Meine Spielwiese: Ich werde testweise über ein Script auf einigen Seiten die Gedankenstriche komplett entfernen und und sehen, ob Google (siehe aktuelles KI Spam-Update) nicht doch irgendwie darauf reagiert. Ich glaube es nicht, aber mal abwarten.