Verwaiste Links („Broken Links“) können auf deiner WordPress-Website ein negatives Nutzererlebnis schaffen und – wenn Nutzer:innen sofort wieder abspringen – auch indirekt dein SEO-Ranking beeinträchtigen. Besonders bei stark verlinkten Seiten oder umfangreichen Content-Hubs verschwenden defekte Links Crawling-Budget, unterbrechen interne Linkkraft und senden Suchmaschinen das Signal, dass Inhalte nicht sauber gepflegt werden.
Wenn du deine Benutzerfreundlichkeit und SEO-Performance nachhaltig verbessern willst, solltest du deine Website regelmäßig auf defekte Links prüfen und sie systematisch minimieren. Gerade bei größeren Websites empfiehlt sich ein wiederkehrender Audit-Prozess, da Broken Links häufig durch Relaunches, URL-Änderungen, gelöschte Inhalte oder nicht mehr erreichbare externe Zielseiten entstehen.
1. Broken Links identifizieren
Für die Identifikation defekter Links stehen dir verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung.
Bei kleineren Websites kann ein WordPress-Plugin wie „Broken Link Checker“ hilfreich sein. Es durchsucht Seiten, Beiträge, Kommentare und benutzerdefinierte Felder automatisch nach toten Links und listet diese übersichtlich im Dashboard auf. Die Links kannst du direkt bearbeiten oder entfernen, ohne die jeweilige Seite öffnen zu müssen.
Beachte jedoch, dass solche Plugins serverseitig crawlen und bei größeren Websites Performance-Probleme verursachen können. In produktiven Umgebungen solltest du sie daher nur temporär oder auf einer Staging-Instanz einsetzen.
Für fortgeschrittene SEO-Analysen sind externe Tools meist die bessere Wahl. Mit der Google Search Console kannst du im Bereich „Seiten“ (Indexierung) 404-Fehler und Soft-404-Meldungen erkennen. Diese liefern dir Hinweise auf interne oder externe Broken Links. Besonders relevant sind Fälle, in denen Google URLs findet, sie aber nicht indexiert oder als Fehler einstuft.
Screaming Frog SEO Spider
Noch detaillierter arbeitet der Screaming Frog SEO Spider. Das Tool crawlt deine Website wie eine Suchmaschine und zeigt dir unter „Response Codes“ alle 4xx-Fehler an. Über die Inlinks-Funktion kannst du exakt nachvollziehen, von welchen Seiten ein defekter Link stammt – ein entscheidender Vorteil bei größeren Projekten. Zusätzlich erkennst du, ob es sich um interne oder externe Broken Links handelt und welche URLs besonders häufig betroffen sind.
Falls du Google GA4 oder Matomo im Einsatz hast, können Analytics-Daten gute Hinweise liefern. Wenn deine 404-Seite als eigene URL getrackt wird, kannst du sehen, über welche Einstiegsquellen Nutzer:innen auf nicht existierende Seiten gelangen. Das ist besonders wertvoll, um externe Backlinks auf 404-Seiten zu identifizieren und gezielt zu retten.
2. Broken Links strategisch beheben
Sobald du defekte Links identifiziert hast, solltest du sie nicht reflexartig beheben, sondern strategisch entscheiden, welche Maßnahme sinnvoll ist.
- Wenn sich lediglich die URL einer Seite geändert hat, aktualisiere den Link direkt auf die neue Ziel-URL. Interne Links sollten möglichst immer direkt auf die finale URL zeigen, damit du Redirect-Ketten vermeidest, die Crawling-Budget verbrauchen und Linkkraft abschwächen.
- Existiert die Zielseite nicht mehr, aber es gibt eine thematisch passende Alternative, empfiehlt sich eine 301-Weiterleitung. Damit überträgst du Linksignale und leitest Nutzer:innen auf relevanten Ersatz-Content weiter. Besonders sinnvoll ist das bei URLs mit bestehenden Backlinks, historischem Traffic oder Rankings. Plugins wie „Redirection“ helfen dir dabei, Weiterleitungen strukturiert zu verwalten.
Wichtig ist jedoch: Du brauchst keine 301-Weiterleitung, wenn der Inhalt dauerhaft obsolet ist und keine sinnvolle thematische Alternative existiert. In diesem Fall ist ein sauberer 404- oder 410-Statuscode häufig die bessere Lösung.
410 Gone – bewusstes Index-Management
Der HTTP-Statuscode 410 („Gone“) signalisiert Suchmaschinen eindeutig, dass eine Ressource dauerhaft entfernt wurde und nicht wiederkehrt.
Der Vorteil: Google entfernt 410-Seiten in der Regel schneller aus dem Index als 404-Seiten. Während 404 zunächst als potenziell temporär gewertet wird, gilt 410 als endgültig. Wenn du Content bewusst bereinigst – etwa im Rahmen eines Content-Pruning-Prozesses – kann 410 sinnvoll sein.
Zusätzlich wird eine 410-URL häufig seltener erneut gecrawlt. Gerade bei großen Websites dürfte das helfen, dein Crawling-Budget effizienter zu steuern. Richtig eingesetzt ist 410 also kein „Fehler“, sondern ein Instrument für aktives Index-Management.
Gut zu wissen: Setze 410 nur dann ein, wenn der Inhalt endgültig entfernt wurde, keine Alternative existiert und keine wertvollen Backlinks gerettet werden müssen. Wenn jedoch relevante Backlinks oder Rankings bestehen, ist eine 301-Weiterleitung meist die strategisch bessere Wahl.
Interne Links nicht unterschätzen
Interne Broken Links sind aus SEO-Sicht besonders kritisch, weil sie deine interne Linkarchitektur schwächen und Crawling-Pfade unterbrechen. Häufig entstehen sie nach Relaunches, Permalink-Änderungen oder Content-Bereinigungen mit URL-Änderungen.
Gut zu wissen: Nach strukturellen Änderungen solltest du daher immer einen vollständigen Crawl durchführen und interne 4xx-Fehler systematisch bereinigen. Bei größeren Projekten lohnt sich zusätzlich ein Blick in die Server-Logs, um wiederkehrende Fehlerquellen zu identifizieren.
Ein sorgfältiges Broken-Link-Management umfasst regelmäßige Crawls, Priorisierung von URLs mit hoher interner oder externer Linkkraft und eine bewusste Entscheidung zwischen 301, 404 und 410.
Häufige Fragen zu Broken Links aus SEO-Sicht
Wie stark beeinflussen Broken Links wirklich mein Ranking?
Einzelne Broken Links führen nicht automatisch zu Rankingverlusten. Google erwartet eine gewisse Fehlerquote im Web. Problematisch wird es, wenn defekte Links systematisch auftreten – insbesondere in der internen Verlinkung. Interne 4xx-Fehler können:
- Crawling-Pfade unterbrechen
- Link Equity nicht weitergeben
- wichtige Seiten schlechter erreichbar machen
- das Qualitätsbild deiner Website schwächen
Sind interne oder externe Broken Links kritischer?
Interne Broken Links sind deutlich kritischer. Warum? Weil du damit deine eigene Informationsarchitektur beschädigst. Interne Links steuern Crawling, Priorisierung und Linkkraft-Verteilung. Wenn diese ins Leere laufen, verlierst du Kontrolle über dein internes Ranking-Signal.
Externe Broken Links betreffen primär das Nutzererlebnis. Sie sind unschön, aber strategisch weniger gravierend – außer es handelt sich um hochwertige Quellen, die Vertrauen transportieren sollten.
Sollte ich jede 404-Seite per 301 weiterleiten?
Nein. Eine pauschale Weiterleitung aller 404-URLs – insbesondere auf die Startseite – ist ein klassischer SEO-Fehler. Google kann solche Weiterleitungen als Soft-404 interpretieren. Eine 301 ist sinnvoll, wenn:
- thematische Relevanz besteht
- Backlinks gerettet werden sollen
- Rankings erhalten bleiben sollen
Wenn keine sinnvolle Alternative existiert, ist ein sauberer 404- oder 410-Status die bessere Lösung.
Wann ist 410 besser als 404?
410 ist sinnvoll, wenn du bewusst und dauerhaft Inhalte entfernst. Im Unterschied zu 404 signalisiert 410 klar, dass die Ressource nicht zurückkehren wird. Google entfernt solche URLs in der Regel schneller aus dem Index und crawlt sie seltener erneut. Typische Anwendungsfälle:
- Content-Pruning
- dauerhaft entfernte Thin-Content-Seiten
- veraltete Kampagnen
- technisch bereinigte Filter-URLs
Wie gehe ich mit Broken Backlinks um?
Broken Backlinks sind eine besondere Kategorie. Wenn externe Websites auf eine nicht mehr existierende URL verlinken und diese hochwertige Links besitzen, solltest du:
- Prüfen, ob die Zielseite Rankings oder Traffic hatte
- Eine thematisch passende 301-Weiterleitung einrichten
- Optional den verlinkenden Webmaster kontaktieren
- So sicherst du Link Equity, die sonst verloren geht.
Wie häufig sollte ich meine Website auf Broken Links prüfen?
Das hängt von der Größe und Dynamik deiner Website ab. Empfohlen wird:
- Kleine Websites: vierteljährlich
- Mittelgroße Projekte: monatlich
- Große oder stark wachsende Websites: kontinuierliches Monitoring
- Nach Relaunches, URL-Migrationen oder größeren Content-Umstrukturierungen solltest du immer einen vollständigen Crawl durchführen.
Beeinflussen Broken Links mein Crawling-Budget?
Bei kleinen Websites spielt das kaum eine Rolle. Bei großen Websites mit zehntausenden oder hunderttausenden URLs kann sich eine hohe Anzahl von 4xx-Fehlern jedoch negativ auf die Crawling-Effizienz auswirken. Googlebot investiert dann Ressourcen in nicht mehr relevante URLs.
Besonders problematisch sind:
- wiederholt gecrawlte 404-URLs
- fehlerhafte interne Links in Templates
- dynamisch generierte Filter-URLs mit 4xx-Status
Sollte ich Soft-404-Seiten vermeiden?
Unbedingt. Soft-404 entstehen, wenn eine Seite zwar technisch 200 OK zurückgibt, aber faktisch keinen Inhalt mehr enthält (z. B. „Artikel oder Produkt nicht verfügbar“ ohne Statuscode-Anpassung). Suchmaschinen erkennen solche Seiten zunehmend zuverlässig. Sie verschwenden Crawling-Ressourcen und senden Qualitäts-Signale, die sich negativ auswirken können. Wenn ein Inhalt nicht mehr existiert, sollte der Server einen echten 404 oder 410 zurückgeben – oder sauber weiterleiten.
Ist ein individuelle 404-Seite aus SEO-Sicht relevant?
Technisch nein, strategisch ja. Der Statuscode bleibt entscheidend. Aber eine gut gestaltete 404-Seite mit:
- interner Suchfunktion
- klarer Navigation
- relevanten Empfehlungen
reduziert Absprungraten und hilft, Nutzer im Funnel zu halten. SEO betrifft nicht nur das Crawling – sondern vor allem auch Nutzersignale.