Leichte Sprache und Einfache Sprache auf Websites

Zuerst ein kurzer Überblick

Sprachliche Barrierefreiheit bedeutet, Inhalte so zu formulieren, dass sie für möglichst viele Menschen verständlich sind. Dabei spielen zwei Konzepte eine zentrale Rolle: Leichte Sprache und Einfache Sprache.

Beide Konzepte verfolgen das Ziel, die Verständlichkeit des Inhalts zu erhöhen – unterscheiden sich jedoch deutlich in Anspruch, Zielgruppe und Umsetzung. Sprachliche Barrierefreiheit ist damit keine technische Spielerei, sondern eine bewusste redaktionelle Entscheidung.  Vielleicht stellt sich für deinen Content die Frage, wann welche Form sinnvoll ist und wie sie strategisch eingesetzt werden kann.

Leichte Sprache – stark geregelt und klar strukturiert

Leichte Sprache ist keine vereinfachte „Variante“, die man nach Gefühl schreibt. Sie folgt festen Regeln und ist klar definiert. Wenn du Inhalte in Leichter Sprache anbietest, verpflichtest du dich zu einer stark reduzierten, kontrollierten Form der Kommunikation.

Das bedeutet konkret: Du verwendest sehr kurze Hauptsätze. Jeder Satz enthält nur eine Aussage. Nebensätze werden vermieden. Fremd- und Fachwörter sind tabu oder müssen sofort erklärt werden. Auch Zahlen, Zeitangaben oder abstrakte Begriffe werden vereinfacht. Zusätzlich gelten Layout-Vorgaben wie große Schrift, viel Abstand zwischen den Zeilen und klare Absätze.

Leichte Sprache richtet sich vor allem an Menschen mit kognitiven Einschränkungen oder Lernschwierigkeiten. Deshalb sollten Texte idealerweise von Personen aus der Zielgruppe geprüft werden. Erst durch diese Prüfung wird aus einem vereinfachten Text tatsächlich Leichte Sprache.

Für dich heißt das: Leichte Sprache ist kein Marketinginstrument, sondern ein klar geregeltes Kommunikationsformat mit Verantwortung.

Einfache Sprache – verständlich, aber flexibler

Einfache Sprache ist deutlich weniger streng geregelt. Sie orientiert sich an klarer, alltagstauglicher Kommunikation, ohne Inhalte extrem zu reduzieren. Du darfst Nebensätze verwenden. Fachbegriffe sind erlaubt – solange du sie erklärst. Auch komplexere Zusammenhänge lassen sich darstellen, wenn sie logisch aufgebaut sind.

Das Ziel ist nicht maximale Vereinfachung, sondern bessere Verständlichkeit. Einfache Sprache spricht daher eine breitere Zielgruppe an: Menschen mit geringen Deutschkenntnissen, ältere Nutzer, aber auch gestresste Leser oder Schnell-Leser.

Für deine Website bedeutet das: Einfache Sprache hilft dir, Inhalte zugänglicher zu machen, ohne fachliche Tiefe vollständig zu verlieren. Sie ist in vielen Fällen die praktikablere Lösung.

Barrierefreiheit in WordPress umsetzen

Wenn du Leichte Sprache oder Einfache Sprache  in deinem WordPress einsetzen möchtest, beginnt das bei der Konzeption. Ein WP-Plugin für Barrierefreiheit gehört natürlich auch dazu.

Du solltest dir zunächst überlegen, welche Zielgruppe du konkret ansprechen willst. Geht es um verpflichtende Angebote in Leichter Sprache? Oder möchtest du deine Inhalte allgemein verständlicher formulieren?

Technisch ist WordPress gut geeignet, um unterschiedliche Sprachversionen bereitzustellen. Du kannst eigene Unterseiten für Leichte Sprache anlegen oder Abschnitte innerhalb eines Artikels klar kennzeichnen. Wichtig ist eine saubere Struktur mit klaren Überschriften, eindeutigen Seitentiteln und verständlichen Linktexten.

Wenn du Leichte Sprache anbietest, sollte diese als eigenständiger, klar gekennzeichneter Bereich erscheinen. Einfache Sprache hingegen kann direkt in deine regulären Inhalte integriert werden – etwa durch verständliche Einleitungen oder erklärende Abschnitte.

Einsatz auf WordPress-Websites

Nicht jede Website braucht Leichte Sprache. Der Einsatz hängt stark von deinem Projekt ab.  Leichte Sprache ist besonders relevant für Behörden, soziale Einrichtungen oder Organisationen mit klar definierten Zielgruppen. Hier kann es sogar rechtliche Anforderungen geben.

Einfache Sprache eignet sich dagegen für nahezu jede Website. Gerade Blogs, Unternehmensseiten oder Informationsportale profitieren von klarer, verständlicher Kommunikation. Du kannst beispielsweise deine Artikel mit einer kurzen, verständlichen Einordnung beginnen und danach in die fachliche Tiefe gehen.

Wichtig ist, dass du keine halbherzigen Mischformen produzierst. Entweder du entscheidest dich bewusst für Leichte Sprache mit klarer Struktur – oder du optimierst deine Inhalte konsequent in Richtung Einfache Sprache.

SEO-Strategie: Chancen und Risiken

Sprachliche Vereinfachung hat auch eine direkte Auswirkungen auf deine Suchmaschinenoptimierung. Ein klar strukturierter Text, kurze Sätze und verständliche Definitionen helfen nicht nur Nutzern, sondern auch Suchmaschinen. Inhalte in Einfacher Sprache können die Absprungrate senken und die Verweildauer erhöhen. Zudem lassen sich typische Suchanfragen wie „einfach erklärt“ gezielt bedienen.

Bei Leichter Sprache ist die SEO-Strategie sensibler

Wenn du parallele Versionen eines Inhalts anbietest – einmal normal, einmal in Leichter Sprache – kann es zu inhaltlichen Überschneidungen kommen. Das kann interne Konkurrenz erzeugen, wenn beide Seiten auf dieselben Keywords optimiert sind. Deshalb solltest du klare Suchintentionen definieren und die Versionen sauber voneinander abgrenzen. Leichte Sprache richtet sich primär an eine Zielgruppe, nicht an ein Keyword.

Der SEO-relevante Vergleich:

  • Einfache Sprache ist häufig SEO-freundlich integrierbar.
  • Leichte Sprache erfordert eine bewusste Struktur- und Keyword-Strategie.

Wichtige Quellen zu Barrierefreiheit, Leichter Sprache und Einfacher Sprache

Warum diese Quellen für dich besonders wertvoll sind

  • Autoritativ: Sie stammen von offiziellen Organisationen, Verbänden und Standard-Gremien.
  • Aktuell und praxisrelevant: Viele bieten Checklisten, Beispiele und konkrete Anwendungshilfen.
  • Für WordPress-Nutzer einsetzbar: Viele Ressourcen lassen sich direkt für Theme-Auswahl, Content-Erstellung und Audit-Prozesse nutzen.

Barrierefreiheit auf Websites (Allgemein)

  • Web Content Accessibility Guidelines (WCAG)
    Offizielle internationale Richtlinien zur Barrierefreiheit im Web vom World Wide Web Consortium (W3C). Diese Standards gelten auch rechtlich in vielen Ländern und sind Grundlage für barrierefreie Websites. WCAG bietet konkrete Anforderungen und Erfolgskriterien.
  • BITV (Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung)
    Rechtliche Standards für barrierefreie Webinhalte im deutschsprachigen Raum (Deutschland). Die BITV orientiert sich an den WCAG. BITV ist besonders relevant für Behörden, öffentliche Stellen und Organisationen.
  • Accessible Rich Internet Applications (ARIA)
    Spezifikationen zur Verbesserung der Zugänglichkeit dynamischer Inhalte und Widgets. Relevant für Entwickler und Theme-Anpassungen in WordPress.
  • W3C Web Accessibility Initiative (WAI)
    Zentrale Ressource für Anleitungen, Tutorials, Checklisten und Tools zur Web Accessibility.

Leichte Sprache – Quellen und Wegweiser

  • Netzwerk Leichte Sprache
    Zentrale Organisation und Standardgeber für Leichte Sprache in Deutschland.
    Hier findest du die offiziellen Regeln, Beispiele und Empfehlungen zur Umsetzung.
    unverzichtbare Referenz für echte Leichte Sprache.
  • Einfach-für-alle.de (Leichte Sprache)
    Plattform mit Regeln, Beispielen und Checklisten zur Leichten Sprache. Sehr praxisorientiert und verständlich erklärt.

Einfache Sprache – Grundlagen und Guides

  • Verständliche Sprache (Mensch und Computer / uni-protokolle.de)
    Gute Einführung in Einfache Sprache mit Beispielen und Regeln.
  • klartext.info
    Community-Portal mit Tipps, Regeln und Best Practices für Einfache Sprache in Texten.
  • Plain Language Association International (PLAIN)
    Internationale Organisation für einfache, klare Sprache. Viele englische Ressourcen, Guidelines und Beispiele, die sich auch für deutsche Inhalte übertragen lassen.

Tools, Checklisten & Praxisressourcen

  • WebAIM – WAVE Accessibility Checker
    Ein Online-Tool zur Analyse von Accessibility-Fehlern auf Webseiten.
  • a11y-Project
    Open-Source-Ressourcen, Checklisten und Coding-Guidelines für barrierefreie Websites.
  • Deutsches Institut für Menschenrechte – Barrierefreiheit
    Berichte, Definitionen und rechtliche Hintergrundinfos zur Barrierefreiheit.

WordPress-spezifische Quellen

Häufige Fragen: Leichte Sprache und Einfache Sprache auf Websites

Was ist der Unterschied zwischen Leichter Sprache und Einfacher Sprache?

Leichte Sprache ist ein streng geregeltes Kommunikationsformat mit klar definierten Regeln für Satzbau, Wortwahl und Layout. Sie verwendet sehr kurze Hauptsätze, vermeidet Nebensätze und Fremdwörter und richtet sich vor allem an Menschen mit kognitiven Einschränkungen. Texte in Leichter Sprache sollten idealerweise von der Zielgruppe geprüft werden.

Einfache Sprache ist flexibler. Sie orientiert sich an verständlicher Alltagssprache, erlaubt Nebensätze und Fachbegriffe – sofern diese erklärt werden. Sie richtet sich an eine deutlich breitere Zielgruppe, etwa Menschen mit geringen Deutschkenntnissen oder Leser, die Inhalte schnell erfassen möchten.

Wann ist Leichte Sprache auf einer Website sinnvoll?

Leichte Sprache ist besonders sinnvoll, wenn eine klar definierte Zielgruppe mit kognitiven Einschränkungen angesprochen wird oder wenn gesetzliche Anforderungen bestehen. Das betrifft häufig Behörden, soziale Einrichtungen oder öffentliche Stellen.

Sie eignet sich nicht als allgemeines Marketinginstrument, sondern als gezieltes Angebot für Nutzer, die auf stark vereinfachte Inhalte angewiesen sind.

Ist Einfache Sprache für Unternehmens-Websites empfehlenswert?

Ja. Einfache Sprache kann die Verständlichkeit deutlich erhöhen, ohne fachliche Inhalte vollständig zu reduzieren. Gerade Blogs, Informationsportale oder Unternehmensseiten profitieren davon.

Sie hilft, komplexe Themen klarer zu strukturieren und senkt die kognitive Belastung der Leser. Das verbessert häufig die Nutzererfahrung und kann sich indirekt positiv auf Verweildauer und Absprungrate auswirken.

Wie lassen sich Leichte und Einfache Sprache in WordPress umsetzen?

In WordPress kannst du Leichte Sprache als eigenständige Unterseiten oder klar gekennzeichnete Bereiche anlegen. Wichtig ist eine saubere Struktur mit eindeutigen Seitentiteln und klarer Navigation.

Einfache Sprache lässt sich direkt in reguläre Inhalte integrieren, etwa durch verständliche Einleitungen oder erklärende Abschnitte. Entscheidend ist, dass du dich bewusst für ein Konzept entscheidest und keine unklaren Mischformen erzeugst.

Hat Leichte oder Einfache Sprache Auswirkungen auf SEO?

Ja. Einfache Sprache kann positive Effekte auf SEO haben, da klare Struktur, verständliche Definitionen und kurze Sätze sowohl Nutzern als auch Suchmaschinen helfen.

Bei Leichter Sprache ist Vorsicht geboten, wenn parallele Versionen desselben Inhalts existieren. Ohne klare Abgrenzung kann es zu inhaltlichen Überschneidungen oder interner Keyword-Konkurrenz kommen. Eine saubere Struktur- und Keyword-Strategie ist daher entscheidend.

Muss Leichte Sprache geprüft werden?

Idealerweise ja. Damit ein Text offiziell als Leichte Sprache gilt, sollte er von Menschen aus der Zielgruppe geprüft werden. Nur so wird sichergestellt, dass die Inhalte tatsächlich verständlich sind.

Einfache Sprache erfordert keine formale Prüfung, sollte jedoch klar und strukturiert formuliert sein.