Optimierung von Webseiten für Sehbehinderte

Kurzfassung

Die Optimierung von Webseiten für sehbehinderte Menschen ist ein zentraler Bestandteil von barrierefreiem Webdesign und moderner Accessibility-Optimierung. Durch semantischen HTML-Code, aussagekräftige Alt-Texte, ausreichende Farbkontraste, skalierbare Schriftgrößen, Tastaturnavigation und den gezielten Einsatz von ARIA-Attributen stellst du sicher, dass Inhalte auch mit Screenreadern und assistiven Technologien gut nutzbar sind. Gleichzeitig verbesserst du Nutzererfahrung, Usability und SEO.

Optimierung von Webseiten für sehbehinderte Menschen

Wenn du deine Webseiten für Sehbehinderungen optimierst, ist dies ein wichtiger Schritt in Richtung barrierefreies Webdesign und digitale Inklusion. So hilfst du Menschen mit unterschiedlichen Sehbeeinträchtigungen dabei, Inhalte selbstständig und problemlos zu nutzen. Gleichzeitig profitieren auch Suchmaschinen und nicht beeinträchtigte Nutzer von klaren Strukturen und besserer Bedienbarkeit.

Hier einige grundlegende und praxisnahe Tipps:

Semantischer HTML-Code

Mit semantischem HTML stellst du sicher, dass Inhalte korrekt strukturiert und in ihrer Bedeutung eindeutig ausgezeichnet sind. Screenreader und andere Assistenztechnologien können dadurch Inhalte besser interpretieren und vorlesen.

Wichtige semantische Elemente sind unter anderem:

  • <header>, <nav>, <main>, <footer>
  • Überschriften-Hierarchien (<h1> bis <h6>)
  • Listen (<ul>, <ol>)
  • <article> und <section>

Ein sauberer semantischer Aufbau verbessert sowohl die Barrierefreiheit als auch die SEO-Struktur deiner Website.

Alt-Tag für Bilder (Fotos, Grafiken)

Der Alt-Tag (auch Alt-Attribut oder Alt-Text genannt) ist ein HTML-Attribut, das alternativen Text für Bilder bereitstellt. Er wird genutzt, wenn Bilder nicht geladen werden können oder wenn Besucher:innen mit Sehbehinderung einen Screenreader verwenden.

Der Alt-Text sollte:

  • den Bildinhalt klar, präzise und sachlich beschreiben
  • den Inhalt oder Zweck des Bildes wiedergeben
  • keine überflüssigen Füllwörter enthalten

Code-Beispiel:
<img src=“tauben-brunnen.jpg“ alt=“Eine weiße und eine graue Stadttaube sitzen vor einem Brunnen“>

Wichtiger Hinweis:

Der Alternativtext ist kein Platz für lange Beschreibungen. Screenreader lesen den Alt-Text immer vollständig vor. Sehr lange Texte (über ca. 100 Zeichen) können anstrengend sein und den Lesefluss stören, insbesondere bei Text-Bild-Strecken. Für ausführlichere Erläuterungen eignen sich Bildunterschriften oder der Fließtext besser.

„Title“-Attribut für Bilder, Links und Schaltflächen

Für sehbehinderte Menschen kann eine zusätzliche kurze Beschreibung hilfreich sein, insbesondere bei interaktiven Elementen. Das Title-Attribut ist ein HTML-Attribut, mit dem ergänzende Textinformationen zu Links, Bildern oder Buttons hinterlegt werden.

Diese Informationen erscheinen bei Desktop-Nutzern, wenn sie mit der Maus über ein Element fahren (Hover-Effekt).

Es gibt folgende Einsatzmöglichkeiten des Title-Attributs:

  • Link:
    <a href=“zielseite.html“ title=“Hier stehen zusätzliche Informationen zum Thema“>Mehr Infos über das Thema X</a>
  • Bild:
    <img src=“bild.jpg“ alt=“Beschreibung des Bildinhalts“ title=“Zusätzliche Informationen beim Überfahren mit der Maus“>
  • Schaltfläche:
    <button title=“Zusätzliche Informationen beim Überfahren mit der Maus“>Jetzt klicken</button>

Wichtig:

Auf Smartphones und Tablets ist das Title-Attribut meist nicht nutzbar, da es keine Maus-Over-Funktion gibt. Um alle Nutzergruppen zu erreichen, sind sichtbare Beschriftungen oder Bildunterschriften oft die bessere und barrierefreiere Lösung.

Kontrastreiche Farben

Achte auf einen ausreichenden Farbkontrast zwischen Text und Hintergrund, damit Inhalte gut lesbar sind. Dies ist besonders wichtig für Menschen mit Sehschwächen, zum Beispiel:

  • Farbsehstörungen
  • altersbedingten Einschränkungen

Hohe Kontraste verbessern nicht nur die Barrierefreiheit, sondern auch die allgemeine Lesbarkeit und Nutzerfreundlichkeit.

Skalierbare Schriftgrößen

Nutzer:innen müssen die Möglichkeit haben, Schriftgrößen zu vergrößern, ohne dass Layout oder Inhalte unlesbar werden. Verwende dafür relative Einheiten wie:

  • em
  • rem
  • Prozentangaben

So bleibt deine Website auch bei Zoom-Funktionen oder individuellen Browser-Einstellungen gut nutzbar.

Keyboard-Navigation

Idealerweise ist die Website vollständig per Tastatur navigierbar. Viele sehbehinderte Nutzerinnen und Nutzer verwenden Tastenkombinationen oder Screenreader zur Navigation. Achte besonders auf:

  • logische Tab-Reihenfolge
  • sichtbare Fokus-Markierungen
  • erreichbare Menüs, Formulare und Buttons

Eine gute Tastaturbedienbarkeit ist ein zentrales Kriterium für WCAG-Konformität.

WAI-ARIA-Attribute (Web Accessibility Initiative)

ARIA (Accessible Rich Internet Applications)-Attribute erweitern HTML um zusätzliche semantische Informationen für Screenreader. Sie helfen dabei, komplexe oder dynamische Inhalte verständlich zu machen, z. B. bei:

  • Navigationen
  • Formularen
  • interaktiven Komponenten
  • Single-Page-Anwendungen

Richtig eingesetzt verbessern ARIA-Attribute die Orientierung und Bedienbarkeit für sehbehinderte Personen deutlich.

Weitere Informationen findest du hier:
Accessible Rich Internet Applications (ARIA)

FAQ – Häufige Fragen zur Barrierefreiheit für Sehbehinderte

Warum ist barrierefreies Webdesign wichtig?

Barrierefreies Webdesign ermöglicht Menschen mit Sehbehinderungen einen gleichberechtigten Zugang zu digitalen Inhalten und ist zugleich ein Qualitätsmerkmal moderner Websites.

Verbessert Accessibility auch SEO?

Ja. Klare Strukturen, semantisches HTML, Alt-Texte und gute Usability helfen sowohl Screenreadern als auch Suchmaschinen beim Verständnis von Inhalten.

Sind Alt-Texte Pflicht?

Alt-Texte sind ein zentrales Element der Barrierefreiheit und laut WCAG-Richtlinien für informative Bilder verpflichtend.

Reicht das Title-Attribut für Barrierefreiheit aus?

Nein. Das Title-Attribut ist optional und nicht auf allen Geräten nutzbar. Wichtige Informationen sollten immer sichtbar oder über semantische Elemente zugänglich sein.

Muss jede Website vollständig tastaturbedienbar sein?

Ja. Tastaturbedienbarkeit ist ein Grundprinzip barrierefreier Webgestaltung und besonders für sehbehinderte Menschen im Internet unverzichtbar.